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Vollpfosten-Kultur

Eschweiler. Heidewitzka! Sie hatten schöne tolle Tage? Prima. Die Negativ-Bilanzen des NRW-Karnevals halten sich in Grenzen. In Köln gab es fünf Schwerverletzte durch Unfälle und hier bei uns entschied sich am späten Abend des Rosenmontags irgendjemand, Pfefferspray ins Festzelt auf dem Markt zu sprühen. Notwehr oder Absicht? Wir wissen es leider nicht. Das Ergebnis ist das Gleiche: Laut Feuerwehrbericht mussten mehrere Personen vor dem Zelt behandelt werden. Insgesamt waren allein bei dieser Aktion zehn Rettungswagen, drei Notärzte und drei Löschzüge vor Ort im Einsatz. 14 verletzte Personen, davon elf mit Augen- und Atemwegsreizungen, wurden schließlich in die Krankenhäuser der Region eingeliefert. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Ja und auch auf dem Markt kam es wie in jedem Jahr zu den üblichen Prügeleien zwischen Vollpfosten aller Couleur. Aber mal im Ernst: glauben Sie wirklich, eine Groß-Veranstaltung mit gefühlten 200.000 Menschen unter kontinuierlicher Zuführung von Alkohol, der die Hemmschwelle nachweislich stark senkt, könnte ohne irgendwelche Ausfallerscheinungen ablaufen? Je mehr Leute auf einem Haufen, desto höher ist nun mal der prozentuale Anteil an Vollpfosten. Gehen Sie mal am Wochenende in ein Bundesliga-Fußballstadion. Da herrscht in der Regel schon längst Deppen-Kultur auf Kosten der Familien und Sportbegeisterten. Aber zurück zum Karneval, der trotz der vielen freilaufenden Vollpfosten und der kurzen Schneeschauer doch recht amüsant ablief. Schade, das wir im Rückblick oft einen fokussierten Blick auf die negativen Ausfallerscheinungen haben, statt das große Ganze zu sehen. Wäre es nicht toll, wenn es zusätzlich zum Feuerwehrberichtes auch eine Art „Komitee-Positiv-Bilanz“ gäbe? Darin könnte dann beispielsweise stehen: „Auch in den diesjährigen tollen Tagen amüsierten sich erneut tausende gut gelaunter Menschen beim Karneval, ohne ihren anderen Mitbürgern im Geringsten auf den Senkel gegangen zu sein.“ Trifft doch für die Meisten zu, oder? Wenn da nur nicht immer diese Vollpfosten wären. Und zu denen gehören auch die, die trotz Absperrungen der Polizei die Arbeiten der Rettungskräfte bei der Reizgas-Attacke per Handy-Kamera dokumentierten. Paul Santosi