10.05.2022
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Stadt bezieht Stellung zum Abriss des Hallenbads: Warum sie sich bisher zurückhielt

Bevorzugter Standort Jahnstraße: Das sieht auch die Stadtverwaltung so. Sage und schreibe 51,8 Millionen Euro wurden durch externe Gutachten im Wiederaufbauplan veranschlagt, um das Sportzentrum in der Jahnstraße, zu dem neben dem Hallenbad auch die benachbarte Sporthalle gehört, in den ursprünglichen Zustand zu versetzen.

Kritik an Kosten und offizielle Positionierung

Kritik wurde in den vergangenen Wochen laut, dass man mit dieser Summe – die durch die Förderzusage zwar vom Land NRW, letztlich aber durch die Steuerzahler:innen getragen wird – gleich drei neue Schwimmbäder bauen könne. Das sieht im Grunde ebenfalls die Stadt so, denn die aktuelle Kostenprognose wird für so unwirtschaftlich gehalten, dass nun auch offiziell die Empfehlung ausgesprochen wird, das Hallenbad abzureißen und neu zu bauen. Das letzte Wort hat jedoch die Politik, die kommende Woche im Stadtrat über einen entsprechenden Grundsatzbeschluss abstimmen soll. Sie soll zudem Teil einer Arbeitsgruppe werden, bei der vor allem weitere gesellschaftliche Akteure wie Schulen und Vereine involviert werden, um an der Zukunft eines neuen Schwimmbads mitzuwirken.

Darum hielt sich die Stadt bisher zurück

Während diese Vorschläge – Abriss, Neubau und Arbeitsgruppe – seitens der Verwaltungsspitzen am heutigen Dienstag mitgeteilt wurden, wurden sie schon seit ein paar Wochen erarbeitet. Diese Tendenz war schon länger ein offenes Geheimnis. Dass man sich bei Nachfragen bisher mit offiziellen Statements trotzdem eher bedeckt hielt, hatte vor allem einen Grund: Bis zu der abschließenden Erkenntnis, dass die Renovierung unwirtschaftlich ist, waren zahlreiche Gutachten notwendig. Diese sind jedoch erforderlich, um vor dem Land rechtfertigen zu können, dass ein Abriss mehr Sinn macht. Zudem ist der Vorstoß eines Neubaus deshalb ein einschneidendes Ereignis, weil es zwar die Chancen für Neues bietet, aber die öffentliche Verwaltung gleichzeitig bauliche Verfahren einhalten muss. Das alles wird die Stadt für mehrere Jahre begleiten, sollte sich die Politik dem Vorschlag der Verwaltung kommende Woche anschließen.

Darum sind die neuen Standort-Vorschläge unrealistisch

Die Zeit spielt auch bei der Frage nach einem neuen Standort eine wesentliche Rolle. Ein Schwimmbad anderswo neu zu errichten, würde vor allem aufwändige Bodenbegutachtungen und zusätzliche Verzögerungen mit sich bringen. „Grundsätzlich muss der Boden bei einem Schwimmbad aufgrund des speziellen Fundaments viel höheren Gewichtsbelastungen standhalten“, erklärt Bürgermeisterin Nadine Leonhardt, die von ihren Bauämtern in den vergangenen Wochen und Monaten Erkenntnisse wie solche gewann.

Somit kommt das Areal rund um das Dürwißer Freibad deshalb nicht infrage, weil die „Stärke“ des Bodens am Rand des ehemaligen Tagebaus mehr als fraglich ist. Auch in den vergangenen Tagen in die Diskussion geworfen wurde das ehemalige Stadion von Fortuna Weisweiler. Nach dem Masterplan Hochwasserschutz soll das Gelände jedoch zukünftig als Überschwemmungsfläche weitestgehend von Bebauung freigehalten werden. 

Darüber hinaus scheint das „Fuchs-Gelände“ südlich der A4 in der Stadtmitte denkbar, aber nur auf den ersten Blick. Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter der Stadt, verkündet mit Blick auf die Hoffnungen, hier eine neue und größere Feuerwache zu errichten, dass es bald Neuigkeiten rund um das Fuchs-Gelände zu berichten gibt. Der aktuelle Eigentümer zeige sich laut Gödde äußerst bereit, das Grundstück zu verkaufen. Mögliche Nutzungsformen werden derzeit erarbeitet. Da bei dem Areal durch seine Vergangenheit von industriellen Belastungen auszugehen ist, ist die Errichtung eines Schwimmbads an dieser Stelle eher unrealistisch.

Alten Standort neu nutzen

So lautet das Fazit der Stadt, die sich nun offiziell auf eine Position festgelegt hat. Dies entspricht auch dem Ergebnis, das bei der jüngsten Meinungsumfrage zum Schwimmbad herausgekommen ist (zum Umfrageergebnis). Bürgermeisterin Nadine Leonhardt begründet dies vor allem mit der zentralen Anbindung in der Jahnstraße, was für Schulen und für Menschen ohne eigenes Fahrzeug eine große Erleichterung darstelle. So oder so: Das Hallenbad wird, wie die Willi-Fährmann-Schule und weitere Wiederaufbauprojekte, die Stadt noch einige Monate, wenn nicht Jahre beschäftigen.

Manuel Hauck