07.01.2023
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850 zur ersten: Jecke Wiever machen Weisweiler zum Hexenkessel

Wenn das der Gradmesser für den Karneval in Eschweiler 2023 war, dann können die Jecken gelöst auf die nächsten Wochen blicken. „Heute ist unser erster Auftritt des Jahres“, so die Begrüßung einiger Künstler, die bei der ersten Sitzung des Jahres, am ersten Donnerstag des Jahres in der Weisweiler Festhalle auf der Bühne standen.

Land- und Gastwirtin, Bank- und Einzelhandelskauffrau, Standes- und Polizeibeamtin, Lehrer- und Schneiderin: Sie alle wurden in den voll besetzten Festhallen-Reihen gesichtet und trugen weitaus fantasievollere Kostüme als ihre Berufe. Das Programm der Damensitzung der KG „Lätitia“ Blaue Funken war abermals gespickt von kölschen Kräften, aber nicht nur sie ließen keine Stimmungspause bei dem rund sechsstündigen Reigen, den 850 karnevalsverrückte Frauen von Jung bis Alt feierten.

Der weibliche Elferrat, angeführt von Britta Sion und Pia Kolvenbach, ließ in Begleitung der Uniformierten Rosen regnen, ehe das Traditionscorps und Kommandant Ralf Kaever stolz seine Tänzer präsentierten: Tanzmariechen Zoe Ecker, Marketenderin Julia Former, Tanzpaar Sophie Sommer und der wieder gesundete Achim Kolvenbach, die Männergarde sowie die Jugendgarde boten ein Traum in Blau und Weiß mit mitreißend-überzeugenden Darbietungen.

Marita Köllner hatte anschließend das Publikum mit dem ersten Lied im Sack und bot barfuß und auf dem Tisch singend eine Parade zum Mitsingen und -Schunkeln, ehe eine weitere Powerfrau, Ingrid Kühne in die Bütt sprang, obwohl sie unter einer Armverletzung litt und eine entsprechende Binde ihr Bühnenoutfit ergänzte. Luftig-akrobatisch wurde es mit dem Weisweiler Eigengewächs, dem Tanzcorps Höppe Kroetsch, das kurzerhand auch Damenpräsidentin Sion hochfliegen ließ. Luftig-musikalisch ließ Druckluft keine Zweifel offen, dass ihre Newcomer-Phase lange abgeschlossen ist, denn das Ensemble bot nicht nur altbekannte Hits, sondern ebenfalls Eigenkompositionen.

Bevor die größte Jubel-Eskalation den Weisweiler Hexenkessel zum Überlaufen brachte, bot Martin Schopps die zweite unterhaltsame Büttenrede des Abends. Und dann hieß es „Ahoj“, als die Stattgarde Colonia vor allem mit ihrer spektakulären und rein männlichen Tanzgruppe alle Register zog. Der queere Verein bot aber in maritimer Manier einen Shanty-Chor und eine mitreißende Blaskappelle. Zeit zum Durchatmen blieb auch danach nicht, als die Räuber zwischen stimmungsvollen Hits und emotionalen Balladen die Herzen eroberten. Eine kurzweilige Sitzung neigte sich mit dem Männerballett „Heestere Tanzbäre“, die noch einmal Lokalkolorit versprühten, dem Ende entgegen, ehe die Band „Big Maggas“ mit gewagten Outfits und großen Liedern aus verschiedenen Genres ihren Kult-Status bewiesen.

Manuel Hauck