Neuer Mietspiegel in Eschweiler: Erhöhung unter Inflationsniveau
Die Verhandlungen für den neuen Mietspiegel zwischen dem Eigentümerverein „Haus & Grund“, dem Mieterschutzverein für Aachen und Umgebung sowie der Stadt Eschweiler für die kommenden zwei Jahre sind abgeschlossen.
Bürgermeisterin Nadine Leonhardt sprach bei der offiziellen Bekanntgabe des neuen Mietspiegels von einer guten Atmosphäre, die das Verfahren prägte. Die schlechte Nachricht ist, dass sich die Orientierungsmieten erhöht haben; die gute: Sie liegen unter den Erhöhungen in anderen Städten und ebenfalls unter dem Inflationslevel.
Bei der öffentlichen Vorstellung des Mietspiegels erläuterten Johannes Gastreich 1. Vorsitzender „Haus & Grund“, Sandra Keilhauer und Geschäftsführerin „Mieterschutzverein für Aachen und Umgebung“ weitere Details. Demgegenüber gingen Dana Duikers als Beigeordnete für Soziales und Daniel Merken von der Abteilung Wohnen mit der Bürgermeisterin auf die aktuelle Wohnraumsituation in Eschweiler ein.
Je nach Baujahr, Wohnlage und Bad-/Heizungsausstattung unterscheiden sich die Höhen der neuen Kaltmieten. Sie reichen von 3,60-4,90 Euro pro Quadratmeter (Baujahre bis 1960, einfache Wohnlage, mit Bad oder Heizung) bis zu 10,90-12,00 Euro pro Quadratmeter (Baujahre 2020/2021, gute Wohnlage). Das bedeutet einen prozentualen Anstieg von rund 4 % in den „unteren“ und bis zu 9 % in den „oberen“ Klassen. Zum Vergleich: In Deutschland lag die Inflationsrate im Jahr 2022 laut Statistischem Bundesamt bei 7,9 %.
„Wir sind mit dem neuen Mietspiegel einverstanden“, kommentierte Sandra Keilhauer vom Mieterschutzverein das Verhandlungsergebnis. Dass Mieten in größeren Städten wie Aachen extrem ansteigen, führe laut der Geschäftsführerin zur Wohnraum-Flucht in ländlichere Bereiche. Auch aus diesem Grund seien die Erhöhungen im neuen Mietspiegel, der vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2025 und als Orientierungshilfe für die Ermittlung von ortsüblichen Mieten gilt, vertretbar.
Zu der gleichen Einschätzung kam Johannes Gastreich als Vorsitzender von „Haus & Grund“ in Eschweiler, der sich als Vertreter und Sprachrohr von privaten Kleinvermietern versteht. Auf der einen Seite würden Eigentümer bei Mieterhöhungen eher zurückhaltend agieren, insbesondere wenn sie es mit langjährigen und zuverlässigen Bewohnern zu tun haben. Auf der anderen Seite sind ebenfalls die Hauseigentümer von Preisteuerungen betroffen. Nicht nur steigende Nebenkosten, die abseits der Energiekrise hinzukamen, belasten die Vermieter. Laut Gastreich führe die weiterhin bestehende CO2-Bepreisung bei privaten Kleinvermietern für wirtschaftlichen Druck, da die CO2-Kosten der Mieter anteilig auf die Vermieter abgewälzt werden. Der Vorsitzende von „Haus & Grund“ äußerte zudem die Sorge, dass ein Verfall bei alten Bestandsbauten einsetze, da Eigentümer nicht die Mittel hätten, um aufwändig zu sanieren. Ausgeschöpfte Fördermittel und wegfallende Programme würden die Lage verschärfen.
Der Appell Richtung Landes- und Bundespolitik traf bei Bürgermeisterin Nadine Leonhardt auf Verständnis. Laut der Verwaltungsspitze komme es durch unterschiedliche Signale der Landes- und Bundesebene zu einem „Dschungel“. Die Aufgabe der Kommunen, so auch von Eschweiler, sei es, durch diesen Dschungel zu führen und Orientierung zu geben.
Weitere Herausforderungen nannte Dana Duikers. Laut der Beigeordneten für Soziales sei es klares Ziel, die Menschen in Eschweiler mit gutem und bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Zwar sei die Lage in der Stadt angespannt, doch Eschweiler befinde sich anders als Städte wie Aachen in der glücklichen Situation, noch freie Flächen für die Schaffung von neuem Wohnraum zu haben. „Wir müssen schauen, dass wir eine gute Mischung hinkriegen“, bezog sich die Beigeordnete auf verschiedene soziale Gruppen. Derweil sei ein Boom des öffentlich geförderten Wohnungsmarkts zu erkennen, während die Anzahl an Anträgen und Bewilligungen im Bereich Wohngeld deutlich um ein Drittel gestiegen ist. Als positiv ordnete Duikers ein, dass die Verwaltung mit der eigenen Wohnraumvermittlung und mit Mitarbeiter Daniel Merken einen gut Blick darauf habe, welche Bedarfe existieren.
Manuel Hauck
DER KOMPLETTE MIETSPIEGEL FÜR ESCHWEILER 2024/2025
HINWEISE ZU DEN WOHNLAGEN:
Einfache Wohnlage:
Im Bereich von Industrieanlagen, starke Verkehrsbelästigungen, Wohnungen mit wenig Licht, Luft und Sonne, keine öffentlichen Verkehrsmittel beziehungsweise Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, starke Lärm-, Staub- und Geruchsbelästigungen.
Mittlere Wohnlage:
Wohnstraßen beziehungsweise Wohngegend ohne besondere Lagevorteile, öffentliche Verkehrsmittel und Einkaufsmöglichkeiten fußläufig erreichbar, sowohl Innenstadt als auch Vorort, Wohn- und Geschäftsstraße mit Durchgangsverkehr.
Gute Wohnlage:
Bevorzugte und ruhige Wohnviertel in der Nähe von Grünanlagen oder Wohnanlagen mit Gärten beziehungsweise Vorgärten, Infrastruktur (Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Schulen, öffentliche Verkehrsmittel usw.) in der Nähe beziehungsweise gut erreichbar.
