Eschweilers neuer Prinz: Sonnige Noten bei bewährter Proklamation
Ein neuer Herrscher und doch war sie irgendwie wie immer gewohnt-bewährt: Die Proklamation des Prinz Karneval von und zu Eschweiler bot rund sechs Stunden lang nicht nur die Zeremonie, den Regenten – mit zweijähriger coronabedingter Verzögerung endlich – zu ernennen, sondern ebenso einen Querschnitt des Eischwiele Fastelovends.
Bereits vor 18:00 Uhr flanierten Abendkleider und Anzüge in die Festhalle Dürwiß, um in aller Eleganz Platz zu nehmen für das Ereignis, was zweimal nicht stattfinden konnte. „Drei einzigmal“ hieß es dann, als die designierten Stefan Biermann und Achim Schuster mitsamt ihrer Pagen in den Saal einzogen und vermutlich tausende Rosen in allen Farben regnen ließen.
Dieses Bad in der Menge, welches nach dem musikalischen Eisbrecher der neu formierten Jugendfanfaren und der Begrüßung durch Norbert Weiland, Präsident des Karnevals-Komitees, stattfinden konnte, war wohl auch diesmal der emotionale Höhepunkt des Narrenherrschers. Einen langen Atem brauchten dabei abermals die zahlreichen Prinzenbläser.
Biermann wurde sodann zu Prinz Stefan III. proklamiert und erhielt dabei zum einen seine Insignien von Weiland und zum anderen den Stadtschlüssel, der ihm in den kommenden fünf Wochen die Regentschaft erlaubt. Ehe sie diesen überreichen konnte, hatte auch Bürgermeisterin Nadine Leonhardt nach ihrer Wahl 2020 lange gewartet, um diesen Moment erstmalig zelebrieren zu können.
Nachdem Schuster als Zeremonienmeister Achim ebenfalls in sein Amt gehoben war und frenetischer Jubel der rund 800 Gäste die Zeremonie krönte, nahm der Elferrat – bestehend aus dem Prinzenduo, dem sechs-köpfigem Karnevals-Komitee, der Bürgermeisterin und zwei Präsidenten der Karnevalsvereine, Platz, um den folgenden Dreiklang aus Musik, Tanz und Bütt genießen zu können.
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DER FILM ZUR PRINZENPROKLAMATION
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Querschnitt durch den Fastelovend
Traditionsgemäß wurde dies durch den Hofnarr, Dorothee Schmitz, mit dem Prolog und Spitzen in Richtung aktueller Kuriositäten, eröffnet. Alfred Wings sprang als „Der Lange“ als Zweiter in die Bütt, während die Kaafsäck und die Mundart-Band Puddelrüh die musikalische Auswahl war. Letztere spielte die neuen Prinzenlieder, die mit Ausnahme des Kindersongs an diesem Abend Premiere feierten und aus der Feder von Holger Vogelsang stammen, mit Stefan III. und Zerm Achim gemeinsam ein.
Tänzerisch wurde es bei der Proklamation mit den Höppe Kroetsch, die in voller Stärke gleich drei Tänze darboten und für Standing Ovations sorgten. Zudem trat die Komitee-Gruppe mit sieben Tanzmariechen auf, die laut Präsident Weiland aufgrund ihrer im Vergleich zu früher reduzierten Zahl ein Beispiel für die Folgen der Pandemie seien. Vielleicht ein bisschen weniger anmutig, aber für jede Menge Heiterkeit sorgte das Männerballett der prinzenstellenden Narrenzunft Pumpe-Stich, in dem Stefan und Achim viele Jahre mitgewirkt hatten. Das rot-grüne Ballett bot anschließend – mit dem aktiven Tänzer Ansgar Nordhausen mit Piano und Gesang – einen musikalisch-emotionalen Höhepunkt des Abends, als es zu Ehren ihres Duos „Unsere Stammbaum“ von den Bläck Fööss“ anstimmte und der ganze Saal mitsang und -schunkelte.
Der Verein der Narrenherrscher bildete traditionell den Abschluss der Proklamation. Ein Beweis für die Freundschaft an der jecken Inde war, dass der Spielmannszug der Dürwißer Narrengarde musikalische Rückendeckung gab, während Tanzmariechen Alina Sager und die Mächengarde als tänzerische Eigenkräfte überzeugten.
Stefan III., der bei der Proklamation auch seine elf jecken Gebote präsentierte, gab dem Reigen der Eschweiler Prinzen bereits an diesem Abend als „Sunny Boy“ eine eigene Note der Freude, die – so kann man es ihm wünschen – bis Aschermittwoch auf alle Karnevalsbegeisterten in der Stadt überspringt.
Manuel Hauck