10.12.2024
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Bundesminister zu Gast bei Eschweilers Kneipentalk

Er war nicht das erste Mal in Eschweiler, doch das erste Mal als Bundesgesundheitsminister und das in stürmischen Zeiten.

Dr. Karl Lauterbach (SPD) war am vergangenen Montag zu Gast in der Region. Nachdem er zunächst das Uniklinikum in Aachen besuchte, stand am Abend der Eschweiler Kneipentalk in Äu’s Gasthaus Haus Lersch auf dem Programm – auf Einladung der SPD-Abgeordneten Claudia Moll (Bund) und Stefan Kämmerling (Land).

Das sonst lockere Format erforderte diesmal zumindest eine vorherige Anmeldung der Besucher. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, das galt auch und vor allem beim letzten Besuch eines Bundesgesundheitsministers in Eschweiler, dem von Jens Spahn (CDU) im St.-Antonius-Hospital im September 2021, mitten in der Pandemie.

2018 gastierte Dr. Lauterbach – damals noch kein Minister, sondern stellvertretender Fraktionsvorsitzender – ebenfalls auf Einladung von Moll im Hotel Flatten. Bei diesem Diskursabend stand das Thema „Lebensqualität im Alter“ im Fokus. Nun wagte Lauterbach bei Lersch einen kompakten Rundumschlag der medizinisch-gesundheitlichen Lage in Deutschland. Eine halbe Stunde, dann konnten die Gäste des Kneipentalks Fragen stellen und in den Austausch kommen.

Als eine der zwei größten Herausforderungen nannte der Minister den Personalmangel bei Pflegekräften und Ärzten, denn die Babyboomer als eine der größten Kohorten gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand und müssen medizinisch versorgt werden. Ohne ausländische Fachkräfte geht es nicht, ist Lauterbach überzeugt. Umso kritischer sieht er Diskussionen um Abschiebungen. Wir erreichen nicht das Niveau der Spitzenmedizin, blickte der gebürtige Dürener auf das zweite Problem. In der Medizin und bei der Krankenhausversorgung würden nur durchschnittliche Behandlungsergebnisse erzielt, obwohl Deutschland „mehr könne“.

In seiner Amtszeit bereue er nicht, was Regierung und Ampel-Koalition an Gesetzen und Reformen im Gesundheitswesen auf den Weg gebracht haben, sondern das, was nicht umgesetzt wurde. Als größtes Digitalisierungsprojekt der Bundesrepublik bezeichnete Lauterbach die elektronische Patientenakte, aber es müssen weiterhin Fortschritte erzielt werden, beispielsweise beim Abbau von Bürokratie oder bei der Anerkennung von Kompetenzen der Pflegekräfte.

Nach seinen Ausführungen nutzten die Gäste des Kneipentalks noch die Gelegenheit, kritische Fragen und Anmerkungen zu stellen.

Manuel Hauck