Michael Datené – Der Pfarrer zwischen Weihnachten und Umbruch
Eschweiler. Es sind arbeitsreiche Zeiten für Pfarrer Michael Datené: Weihnachten steht an, gleichzeitig bereitet er einen Umzug vor – und mit dem Jahreswechsel entsteht in Eschweiler eine einzige große katholische Kirchengemeinde. Das Tischgespräch beginnt diesmal, bei Datené als Gast wenig überraschend, mit einem kurzen Gebet. Wein lehnt er lächelnd ab: „Den trinke ich nur im Dienst.“
An Weihnachten berühren sich bei Michael Datené Ruhe und Hochbetrieb. Neben den großen Festmessen trifft sich der Pfarrer und Leiter der katholischen Eschweiler Kirchengemeinden mit den anderen Priestern und mit seiner Familie. „Zuhause wird gesungen“, erzählt er. In diesen Momenten spürt er, was ihn trägt: Gemeinschaft, Gebet, Musik. Kurz darauf beginnt bereits die Zeit der Sternsinger. Dass auch Kindergartengruppen dazu durch die Stadt ziehen, bewegt ihn. Zugleich beobachtet er, dass Traditionen teilweise an Bedeutung verlieren: „Ich finde es schade, dass das Singen an den Haustüren zu St. Martin so hinter den Halloween-Trend tritt.“
Jeder Tag ist anders
An Michael Datenés Tagen ist nur der Beginn feste Routine. Er steht um 5:30 Uhr auf, nimmt eine kalte Dusche und geht um 6:30 Uhr zum Morgengebet ins „Gebetskraftwerk“ an der Grabenstraße. Die ökumenische Einrichtung heißt so in Anlehnung an das Eschweiler prägende RWE. „Besonders in der Hauptgebetszeit samstags ab 10:30 Uhr erlebt man dort, wie unterschiedlich Glaube klingen kann, mal mit Musik, mal im Gespräch.“ Nach dem Gebet trinkt er mit den Mitarbeitern des Pfarrbüros Kaffee, ehe sein Tageskalender variiert: Verwaltungstätigkeiten, Gespräche mit Trauernden, Brautleuten, Beichtenden, Krankenhausbesuche, Taufen, Beerdigungen, Sitzungen, Gottesdienste. „Jeder Tag ist anders. Die Seelsorge darf aber nie in den Hintergrund treten.“ Dies ist einer der Gründe, warum er das Zölibat für richtig hält. „Ich weiß nicht, ob ich mich so aufmerksam und zeitintensiv um jeden Gläubigen kümmern könnte, wenn ich selbst familiäre Sorgen hätte“, sagt er mit seiner sonoren Stimme, die er sich früher als Handballer „auf dem Spielfeld antrainiert“ habe.
Weitere Markenzeichen des optimistischen 55-Jährigen: Sein auffälliger, für einen Priester ungewöhnlicher Bart und sein E-Bike. „Ein Motorrad habe ich nicht, auch wenn das manche erzählen.“ Unterwegs betet er oft Gesätze des Rosenkranzes. Lesen und Musik gehören außerdem zu seinem Alltag. Einige seiner rund 15.000 Musiktitel, darunter welche seiner Favoriten „U2“ und „Blumentopf“, hört er beim Vorbereiten der Predigten. In den Messen geht er derzeit öfter auf die Veränderungen in Eschweilers katholischer Kirche ein, um aufzuklären.
Kirchenumstellung zum neuen Jahr
Denn: Mit dem Jahreswechsel entsteht für die ganze Stadt eine große, gemeinsame Kirchengemeinde unter dem Namen „Heilige Zwölf Apostel“. Die 14 Kirchen bleiben mit ihrem Gemeindeleben und den Messen bestehen. Verwaltung, Gremien und Aufgaben werden aber gebündelt. Schon seit sieben Jahren gibt es eine gemeinsame Gottesdienstordnung, seit zweieinhalb Jahren einen gemeinsamen Rat. Im Mai wird ein Kirchenvorstand für die gesamte Stadt neu gewählt. Viele Gläubige sind skeptisch. Ist der Fortbestand ihrer Kirche gefährdet? Michael Datené stellt klar: „Die Kirchen bleiben erhalten, die Büros bleiben vor Ort.“ Es handle sich um eine rein strukturelle Maßnahme: Ein Pfarrbuch statt vieler, gemeinsame Planung, effizientere Abläufe. Wichtig ist ihm zudem: „Was in einer Gemeinde gesammelt wird, bleibt auch dort.“
Wie im mittelständigen Betrieb
Zum neuen Konstrukt gehören Küster, Organisten, Sekretäre, Reinigungskräfte, fünf Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten – insgesamt 15 pastorale Mitarbeiter, finanziert vom Bistum Aachen. Dazu kommen viele Ehrenamtler, etwa in den Kirchenchören, als Messdiener oder Pfarrbrief-Austräger. „Diese Personaldecke gleicht durchaus einem mittelständigen Betrieb. In Eschweiler gibt es glücklicherweise mehr freiwillige Unterstützer als in vielen Gemeinden des Bistums.“ Das freut Michael Datené, der seit dem Weggang von Hannokarl Weishaupt nach Aachen die Gemeinden in Eschweiler alleine leitet. In Kürze wird er von seiner Wohnung neben St. Peter und Paul in Weishaupts frühere Wohnung in Bergrath ziehen. Der 55-Jährige trägt weitere Verantwortung: Er wirkt in der Seelsorge der Kindergärten mit und gehört dem Kuratorium des Hauses St. Josef sowie des St.-Antonius-Hospitals an, wo er über Investitionen mitentscheidet. Die Schließung der Eschweiler Geburtsstation im Jahr 2016, für die auch Michael Datené öffentliche Kritik erntete, bezeichnet er heute weiter als „für viele sicher schmerzlich, jedoch notwendig“.
Großes Sprachtalent
Er selbst wurde in Bonn geboren, wuchs aber in einer gläubigen Familie in Aachen-Eilendorf auf. Von den fünf Kindern ist er der Älteste. Ursprünglich absolvierte er eine Ausbildung als Bankkaufmann. „Ich wollte einen Einblick ins normale Berufsleben erlangen.“ Danach folgten Theologie- und Philosophiestudium in Bonn und Rom. Zwei Seminararbeiten schrieb er auf Italienisch. „Die italienische Sprache ist zum Teil noch da. Englisch beherrsche ich, Latein und Griechisch kann ich lesen, Hebräisch mit Hilfe. Eischwiele Platt spreche ich allerdings nicht“, gibt er schmunzelnd zu.
Nach seiner Priesterweihe im Jahr 2000 war Michael Datené Kaplan in mehreren Stolberger Stadtteilen, ehe er neun Jahre in einer Kohlscheider Gemeinde als Pfarrer tätig war. 2015 gab Dr. Andreas Frick dann die Leitung der Pfarrei St. Peter und Paul an ihn ab.
In Eschweiler Berufung gefunden
An der Inde habe er seine Berufung gefunden. Die Stadt mit ihren „engagierten, fröhlichen, anpackenden Menschen“ sei ihm ans Herz gewachsen. Auch dem Karneval kann er einiges abgewinnen. „Am Rosenmontag läuten extra die Glocken von St. Peter und Paul, wenn der Prinz auf der Dürener Straße vorbeifährt.“ In Eschweiler gestalte man aktiv die Zukunft der Kirche mit. Arbeiten möchte er „auf jeden Fall bis 70“. Nicht wegen eines Vertrags – den gibt es nicht (stattdessen wurde dem Bischof Gehorsam versprochen) –, sondern aus Überzeugung.
Tim Schmitz
Dieser Artikel wurde in der Dezember-Ausgabe des REGIO LIFE-Magazins veröffentlicht. REGIO LIFE erscheint alle zwei Monate und liegt kostenlos zum Mitnehmen in vielen Geschäften und an weiteren Stellen in Eschweiler und Umland aus.