Basketball-Profi Fabian Reichstadt wechselt zum Rekordmeister
Leverkusen / Eschweiler. Kurz bevor Fabian Reichstadt ins Flugzeug stieg, um den spielfreien Sommer bei seiner Familie in den USA zu verbringen, klingelte das Mobiltelefon. Die Bayer Giants Leverkusen meldeten sich. Der deutsche Rekordmeister wollte den Basketball-Profi aus Eschweiler für die kommende Saison in der ProB (3. Liga) verpflichten – und stieß bei ihm auf offene Ohren. „Die Gespräche zeigten mir, dass sie mich als wichtigen Teil des neuen Teams einplanen“, ist der 22-Jährige erfreut. Auch die Nähe zu seiner Heimat spielte bei der Entscheidung eine Rolle. „Leverkusen liegt so, dass Freunde und Verwandte aus Eschweiler regelmäßig zu den Spielen kommen können.“ Zudem seien die Bedingungen beim 14-maligen Deutschen Basketball-Meister „auf Top-Niveau“.
Für den 2,03 Meter großen Power Forward ist es eine Rückkehr an eine vertraute Wirkungsstätte. Während eines einjährigen Aufenthalts in Deutschland spielte er bereits 2019 für die Jugend-Bundesliga-Mannschaft der Bayer Giants. Ansonsten lebte Reichstadt schon früh im Ausland. Er war elf Jahre alt, als seine Familie aus Kinzweiler zunächst nach Irland und später in die USA auswanderte.
In Kalifornien entwickelte er sich sportlich weiter. Dort schaffte er den Sprung ins Auswahlteam der Junior Colleges und wurde später als jahresbester Sportler seiner Universität ausgezeichnet. Für den Schritt zum Profi-Basketball kehrte er in der vergangenen Saison fest nach Deutschland zurück. Mit den EN Baskets Schwelm erreichte er den fünften Platz der ProB-Hauptrunde und das Playoff-Viertelfinale. Persönlich blickt Reichstadt auf eine solide erste Profi-Spielzeit in der Nachbarstadt von Wuppertal zurück. Mit seiner energiegeladenen und emotionalen Art entwickelte er sich zum Publikumsliebling. „Ich habe im College oft in fast leeren Hallen gespielt. Deshalb macht es mir besonders viel Spaß, vor Zuschauern zu spielen“, erzählt er. Entsprechend häufig ist er lächelnd auf dem Feld zu sehen.
Gleichzeitig gilt der Defensivspezialist als unermüdlicher Arbeiter, der überall auf dem Parkett zu finden ist. Auch in Richtung des gegnerischen Korbs geht er entschlossen zu Werke. Unterschiede zwischen dem Basketball in Deutschland und den USA hat er dabei deutlich wahrgenommen: „In den USA wird man zu einer sehr selbstbewussten Spielweise erzogen. In Deutschland wird stärker team- und systemorientiert gespielt.“
Vom Basketball kann Reichstadt inzwischen leben. Weil er auf einen geregelten Alltag Wert legt, arbeitete er zuletzt zusätzlich an zwei bis drei Tagen pro Woche in einem Supermarkt. „Das gibt dem Tag Struktur“, sagt er. An Ehrgeiz mangelt es ihm nicht. Neben vier Mannschaftstrainings pro Woche absolviert er tägliche individuelle Einheiten und hält sich mit Schwimmen und Krafttraining fit. Mitte August beginnt die Vorbereitung in Leverkusen. „Ich bin stolz auf meinen Weg und genieße jeden Schritt meiner Karriere“, betont Reichstadt. „Ich möchte mich in Leverkusen weiterentwickeln, mich jeden Tag auf hohem Niveau messen – und bin dankbar für das Privileg, professionell Basketball spielen zu dürfen.“
Mit dem Wechsel zum Rekordmeister geht der Eschweiler nun den nächsten Schritt in seiner noch jungen Karriere – diesmal ganz in der Nähe seiner Heimat.
Tim Schmitz