Ein Duo, das den Fastelovend lebt und liebt
Eschweiler. Seit Wochen sind Prinz Jürgen I. und Zeremonienmeister Pascal als herzliche Fastelovendsjecke unterwegs – und wo immer sie auftauchen, ist beste Stimmung garantiert. Da wird gesungen, gefeiert und getanzt, bis der Saal bebt – und manchmal kullert auch das ein oder andere Tränchen der Rührung. Denn Emotionen gehören bei diesem prinzlichen Duo ganz selbstverständlich dazu.
Auch nach mehr als 200 Audienzen in Sälen, Zelten, Kindergärten, Seniorenheimen und Geschäften ist von Müdigkeit keine Spur. Im Gegenteil – Prinz und Zeremonienmeister strotzen vor Energie, guter Laune und purer Lebensfreude und genießen jede einzelne Minute ihrer Session in vollen Zügen.
Seine Tollität Prinz Jürgen I. ist seit frühester Kindheit tief in der Karnevalstradition verwurzelt – Karneval hat er sprichwörtlich mit der Muttermilch aufgesogen.
„Ich habe schon im Bauch meiner Mutter Marie-Luise mitgetanzt“, erzählt Jürgen Bücher lachend. „Sie war damals Tänzerin bei der Nothberger Burgwache – und wusste noch gar nicht, dass sie mit mir schwanger war. Erst als ihr nach einem Auftritt übel wurde, kam am nächsten Tag die Überraschung!“
Und es dauerte nicht lange, bis auch der kleine Jürgen selbst Uniform trug: Mit gerade einmal zwei Jahren stolzierte er bereits stolz in der rot-gelben Burgwächter-Uniform umher.
Die Familie Bücher ist seit vier Generationen fest in der Nothberger Burgwache verwurzelt. Jürgens Großvater trat 1965 in die Gesellschaft ein und baute unter anderem die Mottowagen der KG. Sein Onkel Friedhelm Schmitz gründete 1988 die Jugendabteilung der Burgwache – Karneval liegt hier eindeutig in den Genen.
Jürgen Bücher ist karnevalistisch ein echter Tausendsassa. Schon als kleiner Steppke stand er in der „Hitparade für Kinder – Schmitzens Karnevalsjecken“ auf der Bühne und tanzte parallel in der Jungentanzgruppe. Bei den Jugendfanfaren schüttelte er eine Zeit lang die Rassel und versuchte sich am Keyboard – stellte aber schnell fest: Das Trommeln liegt ihm mehr.
Mit 17 Jahren trat er den Spielfreunden Nothberg bei, seit 2011 ist er Mitglied der Männertanzgarde und seit 2017 Teil des Elferrates.
Natürlich ist auch die Familie des Automobilkaufmannes voll vom Karnevalsvirus infiziert: Ehefrau Silke und der siebenjährige Sohn Leonard unterstützen ihn, wo sie nur können. Leonard begleitet seinen Papa gemeinsam mit den Pagen May, Hedda, Cara, Simon, Paul und Marla.
Einmal Prinz zu sein – das war schon immer Jürgens großer Traum. Seit 2004 war er häufig bei Prinzenbegleitungen dabei, und der Wunsch, selbst einmal die Kappe mit den langen Federn zu tragen, wurde Jahr für Jahr größer.
Heute ist er mächtig stolz darauf, dass dieser Traum Wirklichkeit geworden ist. „Ich wusste, dass die Prinzenzeit etwas ganz Besonderes ist“, sagt er, „aber sie ist noch viel schöner, als ich es mir je erträumt habe!“
Mit seinem Prinzentross und den Prinzenbläsern zieht er durch Säle und Zelte, verteilt voller Freude seine selbst kreierten Prinzen- und Kinderorden an verdiente Karnevalisten – und lässt dabei keinen Zweifel daran, wie sehr er diese Rolle lebt.
Zeremonienmeister Pascal kann dem nur beipflichten:„Es ist der Wahnsinn, wie herzlich man empfangen und bejubelt wird. Das macht uns unglaublich stolz – und vor allem sehr dankbar.“
Prinz Jürgen I. ist übrigens niemand für einstudierte Reden.„Ich gehe auf die Bühne und lege einfach los. Das kommt alles von hier“, sagt er – und zeigt dabei auf sein Herz.
Der Fastelovend ist ganz klar das liebste Hobby des Duos.
Auch wenn Pascal erst 2012 Mitglied der Nothberger Burgwache wurde, ist er ein waschechter Fastelovendsjeck. Gemeinsam mit seiner Partnerin Tina feiert er leidenschaftlich gern – und seit acht Monaten mischt auch Töchterchen Thea das Familienleben auf. Ob sie wohl ebenfalls schon mit dem Karnevalsvirus infiziert ist? Die Chancen stehen gut.
Der Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen war zwei Jahre Zeremonienmeister der Gesellschaft, saß zwei Jahre im Elferrat und ist seit drei Jahren Spieß der Burgwache. „Als ich Jürgen kennengelernt habe, wusste ich sofort: Das passt!“, erzählt Pascal Frenzel, der auch privat eng mit Seiner Tollität befreundet ist. „Er hat mich durch den Eschweiler Karneval geführt – und schon 2014 gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, irgendwann sein Zeremonienmeister zu werden.“
Heute reisen die beiden seit Wochen gemeinsam durch den Eschweiler Karneval, sammeln unzählige emotionale Momente – und blicken nun ein klein wenig wehmütig auf die vergangenen Tage. Denn: Ab morgen heißt es Endspurt.
Irmi Röhseler