Fünf Eschweiler für den Amateurfußball – Die Menschen hinter dem Anpfiff
Würselen / Eschweiler. Wenn am Sonntag (und teilweise schon am heutigen Donnerstag) die neue Saison im Amateurfußball beginnt, geht es auf den lokalen Sportplätzen wieder um Tore, Punkte und Tabellenplätze. Damit überhaupt angepfiffen werden kann, haben andere Menschen bereits viele Stunden investiert. In der Verbandsarbeit beim Fußballkreis Aachen engagieren sich fünf Eschweiler.
„Es heißt ja, zwischen Juni und August sei die fußballfreie Zeit. Die gibt es im Ehrenamt nicht“, sagt Rene Stoll. Der 38-jährige Indestädter arbeitet im Fußball-Verband Mittelrhein als Staffelleiter der Mittelrheinliga und einer Bezirksliga-Staffel. Ein Staffelleiter kümmert sich darum, den Spielbetrieb einer Liga zu organisieren. Zusätzlich ist Stoll im Kreis Aachen, der sich um die Kreisligen kümmert, für Schiedsrichter-Ansetzungen zuständig. Gerade vor Saisonbeginn ist viel zu tun: Es gibt zahlreiche Turnierspiele, allerdings wegen der Ferien weniger Referees.
Die Arbeit, die kaum jemand sieht
Andere Aufgaben hat Dominik Scholl. Der 30-Jährige mit Fußball-Wurzeln bei Rhenania Eschweiler ist Vorsitzender des Kreisspielausschusses im Kreis Aachen und damit unter anderem für die Verteilung der Kreisliga-Mannschaften auf die Staffeln und die Erstellung der Spielpläne verantwortlich. Er übernahm die Position vom Weisweiler Helmut Brief, der den Ausschuss viele Jahre prägte. Hinter jedem Spielplan steckt viel Koordination, weil Mannschaften sich Sportanlagen teilen und Vereine unterschiedliche Anstoßzeiten wünschen. „Man kann es nicht allen Recht machen, doch wir versuchen, die Anliegen der Clubs so weit wie möglich zu erfüllen“, berichtet Scholl. Nur wenige im Fußball nähmen diese Tätigkeiten wahr. Meist würden die vielen Abläufe abseits der Plätze erst sichtbar, wenn eine Partie ausfällt, Sperren ausgesprochen werden oder kurzfristige Änderungen nötig seien.
Auffällig ist: Drei der fünf Eschweiler fanden ihren Weg zum Verband über die Schiedsrichterei. Tobias Dieteren, Simeon Filipov und Jürgen Funken kannten den Fußball zunächst aus Schiri-Sicht. Dieses Wissen hilft bei ihren heutigen Aufgaben. „Man hat schon mit Abläufen und dem Regelwerk zu tun gehabt“, beschreibt Filipov. Der 37-jährige Postangestellte ist im Kreisjugendausschuss aktiv, leitet eine C-Jugend-Liga und steht am Wochenende als Unparteiischer auf dem Platz. Auch Funken war selbst Schiedsrichter. Seitdem er vor rund 20 Jahren angesprochen wurde, fungiert er als Staffelleiter. „So ist man nicht nur für einen Verein tätig, sondern für viele. Das ist sehr erfüllend“, findet der 62-jährige Dürwißer.
Verantwortung über den Spieltag hinaus
Tobias Dieteren übernahm im vergangenen Jahr den Posten als Sportrichter im Kreisjugendsportgericht. Dort werden unter anderem grobe Regelverstöße verhandelt. Für diese Arbeit brauche es vor allem eines: ein dickes Fell. „Auch als Schiedsrichter darf man die Sachen nicht zu nah an sich herankommen lassen“, weiß der 33-Jährige. Sein Engagement hat für Dieteren inzwischen eine besondere persönliche Bedeutung. Sein Vater, selbst Fußballer und Schiedsrichter, starb im Juni. „Wenn ich im Fußball tätig bin, mache ich das auch im Gedenken an ihn. Er hat mich immer bestärkt. Auch für ihn möchte ich dem Fußball treu bleiben.“
Die Aufgaben der fünf Ehrenamtler begleiten sie durch die Woche: Montags werden Spielberichte kontrolliert, Spielersperren nach Platzverweisen festgelegt und Anträge geprüft. Dienstags treffen sich die Ausschüsse in der Geschäftsstelle des Fußballkreises am Flugplatz Merzbrück. Am Wochenende folgen Schiri-Einsätze oder Beobachtungen. Dazu kommen Rückfragen der Vereine. Einige erwarten ständige Erreichbarkeit. „Manche glauben tatsächlich, wir machen das hauptberuflich. Dabei gibt es nur kleine Aufwandsentschädigungen und Fahrtkostenerstattungen“, erzählt Stoll. Auch Funken kennt solche Situationen. „Es gab schon Anrufe nach 22 Uhr von Vereinsfunktionären, die sich rückversichern wollten, ob ein Spieler am Sonntag mitspielen darf. Deshalb machen wir das Handy abends irgendwann aus.“
Trotz solcher Momente überwiegt für alle fünf die Freude an der Aufgabe. „Es muss einer tun“, denkt Funken pragmatisch. Genau wie Dieteren sieht er darin eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben: „Vor uns haben andere Leute uns ermöglicht zu spielen. Da sollte man nachrücken.“ Filipov nennt die Gemeinschaft als Antrieb: „Du bist ständig in Kontakt mit Menschen, die sich für die gleiche Sache faszinieren. Das macht Spaß.“ Anerkennung bleibe oft aus, meint er. „Ein reibungsloser Spielbetrieb wird als selbstverständlich empfunden.“
Geschichten, die der Fußball schreibt
Stoll kennt auch die andere Seite. Nach einem Aufstieg habe ein Club bedauert, in der höheren Liga einen anderen Staffelleiter zu bekommen. „Man wird auf den Plätzen herzlich empfangen.“ Kurioses gehört ebenfalls dazu. Stoll erinnert sich an einen Vereinsvertreter, der eine Sperre infrage stellte mit den Worten: „Der Gegner hat doch im Internet geschrieben, dass es keine Rote Karte war.“ Scholl muss bei Hallenturnieren schmunzeln, wenn er als Teil der Turnierleitung gefragt wird: „Was habt ihr da für Schiedsrichter bestellt?“ Regelmäßig müsse er erklären, dass die Schiris vom Ansetzer eingeteilt werden.
Natürlich kennen die fünf auch ernste Schwierigkeiten des Volkssports. So bereite ihnen der Umgang auf den Sportplätzen Sorgen. Teils bemerke man eine niedrigere Hemmschwelle für Gewalt und eine härtere Sprache. Trotz der Herausforderungen bleibt ihre Verbindung zum Fußball stark. „Amateurfußball ist der ehrlichste Fußball. Ohne ihn gäbe es keinen Profifußball“, betonen sie. In den lokalen Vereinen entstünden Spieler und Gemeinschaften, die den Fußball ausmachen und für Gesellschaft, Integration und Jugendarbeit wichtig seien. Und hinter jedem Spiel stehen Menschen wie die fünf Eschweiler, die organisieren, koordinieren und Verantwortung übernehmen. Ihre Arbeit bleibt oft im Hintergrund – und genau dadurch sorgt sie dafür, dass der Amateur- und Jugendfußball Woche für Woche funktioniert.
Tim Schmitz
Dieser Artikel wurde in der August-Ausgabe des REGIO LIFE-Magazins veröffentlicht. REGIO LIFE erscheint alle zwei Monate und liegt kostenlos zum Mitnehmen in vielen Geschäften und an weiteren Stellen in Eschweiler und Umland aus.