Nächtlicher Kiosk-Ärger: Anwohner in Eschweiler fordern Lebensqualität zurück
Eschweiler. Jede Nacht Ruhestörungen, Drogengeschäfte und Pöbeleien direkt vor der Haustür: Die Anwohner der Grabenstraße in der Eschweiler Innenstadt sind am Ende ihrer Kräfte. Auslöser des Ärgers ist der vor einigen Monaten eröffnete Stadtkiosk auf der Grabenstraße 44.
Der Kiosk wirbt online mit extremen Öffnungszeiten: unter der Woche bis 23:30 Uhr, freitags und samstags sogar bis 2:00 Uhr nachts. In einem Mischgebiet, in dem Wohnraum und Gewerbe eng vernetzt sind, bedeutet das für die Nachbarn das Ende der Nachtruhe.
Autos fahren spät vor, Türen werden zugeschlagen, und laute Diskussionen bis hin zu handfesten Streitigkeiten hallen durch die Straße. Besonders aggressiv erleben Anwohner die Fahrer von E-Scootern, von denen sie häufig nach der Spätschicht angepöbelt werden. Hinzu kommen ungenierte Drogenverkäufe sowie der morgendliche Müll aus Zigarettenkippen und Verpackungen in den Hauseingängen.
Gespräche mit dem Kioskbesitzer blieben erfolglos. Wer die Ruhestörer direkt anspricht, wird mit Prügel bedroht.
Kritik am Ordnungsamt
Hilfe von der Stadt gibt es bislang nicht. Als Christoph Häfner (BASIS) das Problem in der jüngsten Ratssitzung ausführlich schilderte, wiegelte Ordnungsamtsleiter Michael Effenberg ab. Es werde seit einigen Wochen regelmäßig kontrolliert. Man gehe zwar gegen Falschparker in der Fußgängerzone vor, weitere Ordnungswidrigkeiten habe man aber nicht feststellen können. Dass sich nachts Menschen dort ansammeln, liege laut Effenberg lediglich am freien WLAN des Kiosks – das Sitzen auf den Bänken vor dem Geschäft sei erlaubt. Man habe keine Handhabe, gegen die Kioskkunden vorzugehen.
Die Anwohner lässt das fassungslos zurück. Auch wirtschaftlich wirft der Betrieb Fragen auf: Bei den langen Öffnungszeiten fallen allein für das Personal schätzungsweise rund 4.780 Euro Mindestlohn im Monat an – plus Betriebskosten. Wie sich das rein durch den Verkauf von Zigaretten, Getränken und Süßigkeiten rentieren soll, bleibt ein Rätsel.
Zu allem Überfluss macht nun auch noch das Gerücht über einen weiteren Kiosk die Runde, der sich hier ansiedeln möchte. Spätestens jetzt sollte die Stadtverwaltung einsehen: So baut man keine (er)lebenswerte Innenstadt auf.
Gaby Römers