14.11.2020
3 Fotos

Die Verstecker vom Lyzeum ...

… tarnen die Bischöfliche Liebfrauenschule derart gekonnt, dass man auf dem ersten Blick nur erahnen kann, was sich hinter dem Blätterwerk verbirgt.

Unweit des anderen indestädtischen Gymnasiums stehen dort Kastanien und Eichen, die ein ähnliches Alter vorweisen wie die Platanen. Ein Foto von 1908 mit den damals noch kleinen Gewächsen zeugt davon, dass die Bäume inzwischen mindestens 112 Jahre alt sein müssen.

Während 1908, zwei Jahre nach der Geburtsstunde der Liebfrauenschule, der nicht gerade kleine Gebäudekomplex gut zu sehen war, verdecken die Eichen auf der Liebfrauenstraße und die Kastanien auf der Reuleauxstraße heute die Sicht auf die Fassaden. Lediglich kleine Fragmente wie das kreisrunde Fenster der Schulaula, welches die kurze Seite am Gebäudeende ziert, sind sichtbar.

Die Bäume haben sich die Schule „einverleibt“ und flankieren das Gebäude seit über 100 Jahren. Somit sind auch sie Zeitzeugen, die beide Weltkriege überdauert haben. 1906 übernahmen die Franziskanerinnen von Lüdinghausen/Nonnenwerth die 1879 gegründete Schule für Mädchen in Eschweiler. Kurz nach der Jahrhundertwende wurde dafür das neue Gebäude errichtet. An diese „Katholische höhere Mädchenschule“ war zeitweise ein Internat angegliedert, der Unterricht war geprägt durch den franziskanischen Geist.

1960 fand die Einweihung des sogenannten „Neubaus“ als Erweiterungstrakt statt, während fünfzehn Jahre später die Koedukation eingeführt wurde. Anfang der 1990er-Jahre übernahm schließlich das Bistum Aachen die Trägerschaft der Liebfrauenschule – neue Impulse für das christliche Schulleben.

Trotz ihres stolzen Alters: Die Kastanien der Liebfrauenstraße sind nicht mehr so fit, wie man es sich wünscht. Bereits in der jüngeren Vergangenheit mussten einige Bäume gefällt werden, wofür neue gepflanzt wurden. Und auch der heutige Anblick lässt vermuten, dass es den über 100 Jahre alten Bäumen besser gehen könnte. Die gute Nachricht: Auf der Reuleauxstraße hingegen erstrahlen die Baumkronen der Eichen – zumindest bevor der Herbst seinen Tribut fordert – in sattem Grün. Ein Grün, dass die Generationen überleben kann.

Josef Stiel und Manuel Hauck