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Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2019

Am Freitag wurde in Düsseldorf vor 1.200 Gästen der Deutsche Nachhaltigkeitspreis verliehen. In Zusammenarbeit mit der Bundesregierung wurden zum elften Mal Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung prämiert. Ehrenpreise erhielten US-Schauspieler Richard Gere, die westafrikanische Sängerin Angélique Kidjo sowie der irische Musiker Rea Garvey für soziales und ökologisches Engagement. Eschweiler wurde als nachhaltigste mittelgroße Stadt Deutschlands ausgezeichnet.

Im Mittelpunkt von Europas größter Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement standen am Freitagabend die Akteure und Projekte, die den Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft unterstützen.
Neben verschiedenen Unternehmen wurden u. a. in der Kategorie Deutscher Nachhaltigkeitspreis für Städte und Gemeinden 2019 die Städte Eschweiler, Münster und Saerbeck ausgezeichnet.
Jurybegründung Eschweiler
Die Stadt Eschweiler im rheinischen Braunkohleabbaugebiet gibt sich trotz ihres schweren industriekulturellen Erbes nicht geschlagen und beantwortet Herausforderungen wie den Strukturwandel durch eine starke regionale, nationale sowie internationale Netzwerkarbeit. Als Global Nachhaltige Kommune NRW und in Projektpartnerschaft mit der brasilianischen Stadt Alta Floresta übernimmt Eschweiler nicht nur lokal, sondern auch global Verantwortung und beherbergte als Vorbild-Kommune z. B. die UN-Sommerakademie zur Weiterbildung junger UN-Führungskräfte zum Thema Strukturwandel.
Eschweiler legt größten Wert auf die Wahrung des sozialen Friedens durch Schaffung von Arbeitsplätzen für alle Qualifizierungsstufen, bezahlbaren Wohnraum und Bildung für nachhaltige Entwicklung bei gleichzeitiger Stabilisierung der Ökosysteme. Trotz angespannter Haushaltslage investiert die Stadt fortlaufend in Bildungseinrichtungen und städtische Gebäude. Auf diese Weise kann z.B. eine Kinderbetreuung zu Randzeiten angeboten werden, um Eltern im Schichtdienst zu entlasten. Alle städtischen Gebäude wurden umfassend energetisch saniert und werden zu 100 Prozent durch Erneuerbare Energien aus Windkraft und Photovoltaik versorgt. Beim Vorzeigeprojekt „Faktor X“ in Kooperation mit der Innovationsregion Rheinisches Revier, der Kathy-Beys-Stiftung und RWE Power werden Neubaugebiete wie z. B. die „Neuen Höfe Dürwiß“ im Norden Eschweilers besonders ressourcenschonend durch den Einsatz nachwachsender Rohstoffe oder Recycling-Betons umgesetzt. Auf diese Weise konnten 50 Prozent der nicht-nachwachsenden Rohstoffe und Primärenergie eingespart werden.
Das Thema Multikulturalität hat in Eschweiler lange Tradition; so leben in der nordrhein-westfälischen Stadt mit ca. 58.000 Einwohnern 110 verschiedene Nationen friedlich zusammen. Aufgrund der Registrierung oftmals unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge durch die in Eschweiler ansässige Bundespolizei bleiben viele junge Menschen dauerhaft in der Stadt und finden u.a. dank des engagierten Integrationsrates und regen Vereinslebens ein neues Zuhause. Durch partizipative Prozesse werden Bürger systematisch an Entscheidungen wie beispielsweise der Umgestaltung der Innenstadt nach der Schließung von Karstadt oder der Umstrukturierung des Tagebau- und Kraftwerkstandortes Weisweiler einbezogen.
Eschweiler kommt seinem nachhaltigen Bildungsauftrag nicht nur als Fairtrade-Stadt nach, sondern z. B. auch über das Informationszentrum „Naturhaus Rheinland“ in Kooperation mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft am renaturierten Blausteinsee und die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements wie z. B. des BiNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung e. V.), der spielerisch Inhalte zu klimaschonendem Verhalten, Natur oder Gesundheit vermittelt. Aufgrund des starken politischen Commitments erfährt die Steuerungsgruppe Nachhaltigkeit überparteiliche Unterstützung.
Die Stadt Eschweiler setzt bei der Bewältigung ihrer Zukunftsaufgaben auf Nachhaltigkeit und die Übernahme globaler Verantwortung und ist mit diesem Kurs erfolgreich. Die Jury würdigt das große Engagement und Durchhaltevermögen der sich wandelnden Stadt mit einer Auszeichnung als „Deutschlands nachhaltigster Stadt mittlerer Größe 2019“.
Nachdem die Auszeichnung der Stadt Eschweiler bereits im Sommer bekannt gemacht worden war und die Stadt bei der Preisverleihung vor Ort im Eschweiler Rathaus am 29.10.2018 bereits die Gelegenheit hatte, ihren Erfolg mit den städtischen Nachhaltigkeitsakteuren aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam zu feiern, kamen auf der Veranstaltung in Düsseldorf noch einmal alle diesjährigen Preisträger zusammen. Neben der Stadt Eschweiler wurden dabei folgende Akteure ausgezeichnet:
„Deutschlands nachhaltigstes Großunternehmen 2019“ ist der Hersteller für Duft- und Geschmacksstoffe Symrise. Die Jury würdigte vor allem das Nachhaltigkeitsengagement innerhalb der Lieferkette. Bei den Unternehmen mittle-rer Größe konnten der Wuppertaler Zangenhersteller KNIPEX sowie die Milchwerke Berchtesgadener Land mit ihren ökologischen und sozialen Leistungen überzeugen. In der Kategorie KMU siegte der Hersteller von Kunststoffbau-teilen BeoPlast durch die Setzung wegweisender Nachhaltigkeitsstandards in der Automobilbranche.
In „Deutschlands nachhaltigster Großstadt 2019“ Münster werden wichtige Entscheidungen von Politik, Verwaltung und Bürgern im Sinne des „Münster-Konsens“ gemeinschaftlich und beteiligungsorientiert getroffen. Unter den Städten mittlerer Größe überzeugte die Stadt Eschweiler, weil sie Herausforderungen des Strukturwandels durch eine starke regionale und internationale Netzwerkarbeit beantwortet. Die Kleinstadt Saerbeck wurde für ihr bei-spielhaftes Engagement für den Klimaschutz und die Energiewende ausgezeichnet. Alle drei Kommunen erhalten von der Allianz Umweltstiftung eine Fördersumme von jeweils 30.000,- Euro zur Umsetzung individueller Nachhal-tigkeitsprojekte.
Mit dem Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2019 zeichnete die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeits-preis e. V. US-Schauspieler und Aktivist Richard Gere für seine lebenslange Verpflichtung für die Menschenrechte aus. Die beninisch-französische Sängerin Angélique Kidjo wird für ihren jahrzehntelangen Einsatz für die Bildung und Gleichstellung von Frauen in Afrika geehrt. Rea Garvey erhält den Preis als Gründer der Stiftung „Saving An Angel“ sowie des „Clear Water Projects“.
Weitere Auszeichnungen gingen an die Stadt Wernigerode/ Hoi An, Vietnam und die Fosera Solarsystems GmbH/ VITALITE Zambia Ltd., Sambia (Deutscher Nachhaltigkeitspreis „Globale Partnerschaften“), das Forschungsprojekt „F.R.A.N.Z.“ (Deutscher Nachhaltigkeitspreis Forschung), Goldeimer Toilettenpapier von WEPA Hygieneprodukte (Deutschlands nachhaltigstes Produkt) und das Rathaus Freiburg (DGNB Preis „Nachhaltiges Bauen“).
Über den „blauen Teppich“ aus recycelten Fischernetzen gingen am Abend 1.200 Gäste aus Unternehmen, Kommu-nen, Spitzenpolitik, Forschung und Zivilgesellschaft. Unter den Bühnenakteuren befanden sich Bundespräsident a. D. Christian Wulff, die BundesministerInnen Katarina Barley, Svenja Schulze und Gerd Müller, TV-Journalistin Dunja Hayali und Popsänger Sasha. Musikalische Höhepunkte des festlichen Abends waren die Auftritte der US-Gruppe „Naturally 7“ sowie der Ehrenpreisträger Angélique Kidjo und Rea Garvey. Durch den Abend führte der Initiator des Preises, ZDF-Wissenschaftsjournalist Stefan Schulze-Hausmann.
Den Preis nahmen die erste stellv. Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt, Wirtschaftsförderer Dieter Kamp, Klimaschutzmanagerin Katharina Schulz, der Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik Jan Schuster, der Leiter der Stabstelle Nachhaltige Entwicklung Eberhardt Büttgen sowie der Abteilungsleiter für Liegenschaften Stephan Miseré entgegen.