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Europäischer Sozialpreis für Peter Borsdorff

Eschweiler. „Ich kann nicht der ganzen Welt helfen.“, ist sich Peter Borsdorff bis heute sicher. Und doch: Der unermüdliche Läufer und „Mann mit der Büchse“ wird für sein außerordentliches Engagement mit dem Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler ausgezeichnet.

Dass dieser Preis am Tag der Deutschen Einheit verliehen wurde, stand vor allem in diesem Jahr außer Frage: 30 Jahre Mauerfall, ein Ereignis, das wie kein anderes ein besonderer Meilenstein der Integrationsgeschichte ist, ohne diesen wäre beispielsweise eine Erweiterung der Europäischen Union nicht möglich gewesen.

Aber auch der Europäische Sozialpreis, vergeben vom Europaverein GPB, zeichnet jene aus, die einen lokalen und ebenso überregionalen Beitrag gegen Ungleichheit und soziale Ausgrenzung und für Solidarität und Demokratie leisten.

Peter Borsdorff erfüllt nicht nur dies Anforderung. Der gebürtig aus Polen stammende und heute in Düren lebende 76-Jährige fing auf Anraten seines Arztes in den 80er-Jahren an zu laufen. Als er 51 Jahre alt war und die ersten Marathonläufe hinter sich hatte, kam ihm der Gedanke, dass es ihm ziemlich gut geht und er Menschen helfen möchte, bei denen dies nicht der Fall ist. „Ich hatte die Kinder in der Region im Blick. Schon damals war mir klar, dass ich nicht der ganzen Welt helfen kann und beschränkte meinen Wirkungskreis auf 50 Kilometer um Düren.“, erklärte Borsdorff bei der Preisverleihung. Die Idee für „Running for Kids“ wurde 1995 geboren, mit einer aus einem Laufschuh selbst gebastelten Sammelbüchse reiste Borsdorff von Lauf zu Lauf in der Region. Und doch riss er schnell seine eigenen Grenzen nieder und half Kindern und Einzelschicksalen in ganz Europa.

Die zweite Anforderung für den 23. Preisträger des Europäischen Sozialpreises lieferten Annelene Adolphs und Peter Schöner vom Europaverein. In diesem Jahr entschied sich der Verein für den Leitgedanken „Generationensolidarität – nicht gegeneinander, sondern miteinander“. Die Grundlage dafür: 89 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz, Deutschland und Frankreich wünschen einen verstärkten Zusammenhalt zwischen den Generationen. Bewegungen wie „Pulse of Europe“, die Jung und Alt vereinen, sind Beispiele dafür. Diese auch im EU-Vertrag konkret festgehaltene Solidarität setzt Peter Borsdorff aus Sicht des Wahlgremiums in die Tat um.

Unterdessen fehlten Laudator und Bürgermeister Rudi Bertram beinahe die Worte, bei all dem was Peter Borsdorff mit „Running for Kids“ erreicht hat: Seit 1995 nahm er über 2,2 Millionen Euro bei über 3.100 Aktionen ein und half in 150 Orten mehr als 560 Fällen. Bertram offenbarte: „Ich bin bewegt, ziehe den Hut, mir geht das Herz auf und ich empfinde absolute Bewunderung, denn Borsdorff hat viel bewegt und trotzdem ist er bescheiden. Ich habe ihn bei sportlichen Veranstaltungen im Umkreis kennengelernt. Er ist keiner, der die Spenden zur Schau stellt.“

So war es mehr als selbstverständlich, dass sich Borsdorff wie seine Vorgänger nach Verleihung von Urkunde, Medaille und Preisgeld in das goldene Buch der Stadt eintragen durfte, als 23. Preisträger. Bei der Preisverleihung gelang auch musikalisch der Brückenschlag zwischen den Generationen. Die „Little Dragons“ musizierten mit Gesang und Gitarren. Peter Borsdorff entschied sich spontan dafür, ihnen Geld zu überreichen, da auch sie wohltätig aktiv sind. Die ältere Generation wurde vertreten von dem Zusammenschluss zweier Chöre. Der Männer-Gesang-Verein der Siedlergemeinschaft Stolberg-Donnerberg und die Chorgemeinschaft Humor-Harmonie 1858 aus Aachen sangen ein Potpourri an Liedern. Im Anschluss an den offiziellen Teil klang der Sozialpreis mit einem Empfang und Ausstellungsextrakten von „Der Weg zur deutschen Einheit“ und „Wege zur europäischen Einheit“ aus. Vorher verkündete Peter Schöner noch eine frohe Botschaft: Der Europaverein GPB wird am 4. November von der Landesregierung als eine von fünf Organisationen in ganz Nordrhein-Westfalen mit dem Prädikat „Europaaktive Zivilgesellschaft“ ausgezeichnet.

Der 23. Preisträger des Europäischen Sozialpreises: Peter Borsdorff (rechts). (Foto: Manuel Hauck)