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Leserbrief “Entwicklung Rathausquartier” von Thomas Widynski

Leserbrief zum Thema “Entwicklung Rathausquartier” von Architekt Thomas Widynski

Hieß es nicht, man wolle keine "Schuhkartonarchitektur", keine „Beton­klötze“?

Genau dieses wird uns aber von dem neuen niederländischen Investor, dessen stadtplanerische Qualifikation durch seinen 900-Millionen-Jahresumsatz nachgewiesen werden soll, im Herzen der Innenstadt präsentiert. Was dort nun final entstehen soll, ist nicht mit städtebaulichem Sachverstand für Eschweiler konzipiert, sondern scheint dem Ziel des Investors geschuldet, seinen Umsatz über die Milliarden-Grenze steigen zu lassen. Eine Ansammlung von Lebensmitteldiscountern, die dort entstehen sollen, ist (mit ausreichend Parkraum) in nur knapp 1,5-2 km Entfernung vom Rathaus bereits mehrmals vorhanden: an der Dürener Straße (ALDI, LIDL Penny plus HIT) an der Jülicher Straße bei Dürwiß (ALDI, Netto, Edeka, DM-Markt), hinzukommen der Netto auf der Indestraße, das Langwahncenter, das Auerbach-Center mit angrenzendem LIDL etc.

Lebensmittelläden haben wir genug.

Was fehlt, ist eine Planung, die nicht in den 70er-Jahren stehengeblieben ist, sondern die sich im Sinne der Ini­tiative StadtBauKultur NRW 2020 für eine lebenswerte, nachhaltige und qualitätvoll gestaltete bauliche Umwelt einsetzt. Auch verhilft die Landesini­tiative zum Blick über den Tellerrand: Sechs erfolgreiche Bauprojekte in Neuss, Lünen, Gelsenkirchen, Detmold, Siegen und Hamm zeigen beispielhaft, wie aus ehemaligen Warenhäusern zukunftsfähige Standorte für Wohnen, Büro, Handel oder kulturelle Nutzungen werden können.

Warum eigentlich wurde aus Steuermitteln für Eschweiler ein integriertes Handlungskonzept erarbeitet, das genau diese Stoßrichtung verfolgt, und (mittlerweile in der 3. Fassung vorliegend) ein hervorragender Leitfaden für die Eschweiler Stadtentwicklungsplanung ist?

Warum sorgt die Stadt nicht dafür, dass die darin enthaltenen Rezeptideen von einem Sternekoch umgesetzt werden?

Was man den Bürgern jetzt vorsetzt ist nicht mehr als eine Dose Ravioli!

Vielleicht kann hier nur noch Schadensbegrenzung durch einen Flächentausch geschehen: Die Stadt könnte dem Investor, dem es herzlich egal sein dürfte, wo Eschweiler Bürger ihre Ravioli kaufen, für seine Discounterläden den ehemaligen städtischen Sportplatz Patternhof zum Tausch gegen das Rathausareal anbieten. Mit ca. 24.000 qm ist das zur Verfügung stehende Gelände nur ca. 3.000 qm größer als das Areal am Rathaus. Der Investor könnte sich zudem dort die Tiefgarage sparen, zumal unterirdisch dort Altlasten schlummern.

Dann wäre am und im Rathaus wieder Raum für städtebauliches Denken.

Denn das Herz von Eschweiler ist zu wichtig für die Stadtentwicklung, als dass man es Investoren immer wieder aufs Neue in den Rachen schmeißen möchte.

Thomas Widynski