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Rathausquartier: Superlative statt Differenzierungen Verkehrsuntersuchung

Durch das Vorhaben erhöht sich das Verkehrsaufkommen auf ca. 5.200 Fahrten je Werktag. Für ca. 7.800 qm Verkaufsfläche stehen ca. 10.500 qm Verkehrsfläche zur Verfügung. Der Autohof mit ca. 5.700qm Parkplatzfläche, flächendeckend bis an die Gebäude, mit Parksuchverkehren, Kunden-, Beschäftigten- und Wirtschaftsverkehren soll über die Wollenweberstrasse abgewickelt werden, dann in Zweirichtungsverkehr. Für den Vollsortimenter (2800qm) und Discounter (1300qm) sollen separate aufwendige Andienungszonen und Schleifenerschließung mit drei Zufahrten von der Indestrasse bereitgestellt werden, die das Rathaus rechts und links mit ihrem prächtigen Erscheinungsbild zieren. Eine weitere Andienungszone und Rangierverkehre gibt es in der Peilsgasse für den zweiten Discounter (1700qm). So erhöht sich dann auch an den Knotenpunkten Wollenweberstrasse und Peilsgasse vornehmlich in den nachmittäglichen Std. das Verkehrsaufkommen um jeweils ca. 2000 Kfz/h. Die Qualität des Verkehrsablaufs (QSV, mittlere Wartezeiten) verschlechtert sich, in der Wollenweberstraße trotz Zweirichtungsverkehr auf QSV - C mit einem Rückstau von 22m und in der Peilsgasse auf QSV - E (Skala von A-F). Hierbei wurden schon Anpassungen im Signalprogramm vorgenommen. Die Abschätzung des Verkehrsaufkommens aus den Nutzungen basieren nun auf Schätzungen aus 2006 und Angaben des Projektträgers. Die Zahl der Beschäftigten und Besucher werden geschätzt. Die Parameter reduziert man durch gewisse Faktoren wie Mobilitätsabschlag, Individualverkehrsquote, Anwesenheitsfaktor, mittlere Wegehäufigkeit, Pkw-Besetzungsgrad, Kopplungsgrad, Konkurrenzeffekt. Die beiden letzten alleine mit einem Abschlag von 55% im Schnitt. Das zusätzliche Verkehrsaufkommen aus der Wohnnutzung sowie aus einer Kindergartennutzung ist ebenso fragwürdig. Wie groß sind die Wohnungen, wie die Typisierung, wie der Belegungsgrad, MIV-Anteil (Individualverkehr)30%? Selbst unter der Voraussetzung, dass die angegebenen Verkaufsflächen alle zählbaren Flächen einbeziehen, bleiben sowohl die Methode, als auch die fiktiven Bezugsgrößen sowie die tapferen Abschläge äußerst fragwürdig. Bleiben zum Abgleich nur die Abschläge einmal unberücksichtigt, so stellt sich schon bei den Kundenfahrten pro Tag gut die doppelte Anzahl heraus. Also die in Ansatz gebrachte Verkehrsbelastung entspricht nur 46%. Selbst bei einer Halbierung der Differenz sind es nicht 4460 sondern 7060 Fahrten nur der Kunden. Aber wer weiß, ob bei den Beschäftigten die Teilzeitbeschäftigten berücksichtigt wurden. - Wie ist es nun mit der Verkehrserzeugung, der Verkehrsabwicklung, der Qualität des Verkehrsablaufs, der Koordinierung des Signalprogramms, der Ausformung der Knotenpunkte und den 7 Zufahrten? - Wo sind die anstehenden Umweltgutachten? - Wer bezahlt den Knotenpunktumbau und das neue Signalprogramm, der Vorhabenträger und Verursacher oder die Stadt? - Wo sind die Modelle unterschiedlicher Verkehrserzeugung, damit man auch nur annäherungsweise die richtigen Annahmen trifft? Segmentieren und wegrechnen hilft dem Grunde nach nicht, das Erwachen kommt später. Das Konzept des verkehrsintensiven Vorhabens ist unter Missachtung des vorhandenen Planungsrechts und maximierter Belastung der Angrenzer und des Umfeldes von einer absoluten und geradezu verletzenden Erschließungspriorität zugunsten des Vorhabenträgers geprägt. Dies geht zu Lasten des städtischen Raumes, unterbindet die städtebauliche Verbindungsqualität zwischen Marktplatz Inde und südlicher Innenstadt, zerschlägt die Quartiersmitte in einen Autohof und hat keine straßenrandbildende, noch raum- und platzbildende architektonische Qualität. Die bekannten Aussagen zur Bauqualität tragen auch nicht dazu bei, das Bild zu entkräften, im Gegenteil. Die Verdrängungs- und Suchverkehre in der Dürener- und Marktstraße sowie die hohe Belastung in der Wollenweberstraße sind abzusehen. Der qualitative Rückbau der Indestrasse mit Querung zur Inde an dieser Stelle wird durch die zusätzliche Verkehrsbelastung verpasst. Das einzige Geschäftsmodell im Herzen der Stadt ist die Rendite, die Laufzeit ist ja noch bekannt. Nach mir die Sintflut! Wenn man nichts gelernt hat, dann gute Nacht! W. Schulz